Spanien - Region Murcia (Cartagena bis Mar Menor)

Cartagena

Vor dem Hafen liegt ein deutscher Dreimaster vor Anker, das Segelschulschiff , die

Alexander von Humboldt II.

 

 

Wirklich ein beeindruckender Naturhafen, geschützt von nahezu allen Seiten.

Da haben sich die Phönizier damals schon ein schönes Fleckchen Erde ausgesucht.

Heute natürlich auch ein Anlaufpunkt vieler Kreuzfahrtschiffe.

Wir melden uns über Funk im Hafen an und werden gebeten, noch ein wenig am Eingang zu warten.

Vor uns sind ebenfalls zwei andere Segler in den Hafen gefahren, die müssen wahrscheinlich erstmal zu ihren Liegeplätzen gebracht werden.

Dann nimmt man wieder Kontakt zu uns auf, nun sind wir dran. Der Hafenmeister steht am Steg und schickt uns per Funk an einen Liegeplatz weiter innen. Dort fährt er mit seinem  E-Cart hin und reicht uns die Mooringleinen. Dann liegen wir fest.

 

Die Anmeldung im Hafenbüro erledigen wir gleich, besorgen uns den Adapter für den Strom und machen uns dann auf den Weg in die Stadt.

Ganz wichtig: erstmal in eine Ferreteria, einen Haushaltswarenladen und dort Rattenfallen besorgen.

Wir haben Glück, gleich im ersten Geschäft schlagen wir zu: 3 Fallen und einen Kleber.

Und nun?

Erst zurück zum Schiff oder noch eine Kleinigkeit zum Abend essen?

Wir entscheiden uns für das Essen und erleben  auf dem Weg zurück zum Schiff die Stadt Cartagena in einer tollen, entspannten Abendstimmung.

 

Cartagena am Abend

Gestärkt kommen wir am Schiff an und machen uns gleich an die Arbeit, die Fallen mit Käse zu bestücken.

Den Kleber tragen wir auf  einen stabilen Karton auf, drapieren  ebenfalls noch  etwas Köder und dann soll die Ratte darauf hängen bleiben. Nicht ganz so schön, aber wir wollen alle verfügbaren Methoden ausprobieren, um das Biest loszuwerden.

Wir sind sauer!

Heute hat sie sich über unsere Milchvorräte hergemacht.

Was kommt wohl als nächstes?

Wir suchen geeignete Plätze für die Fallen und machen uns auf eine unruhige Nacht gefasst.

Keine halbe Stunde später aber klappert und rumpelt es bereits.

Der Lärm kommt von unterhalb der  Sitzecke.

Keiner von uns weiß, wie groß das Vieh ist und wie es in die Falle getappt ist. Lebt sie noch?

Sicherheitshalber nimmt der Skipper einen Holzknüppel bevor er vorsichtig die Klappe öffnet.

Da liegt sie!!!

Tschacka, besiegt!!!

 

Neulich noch ein Fisch gefangen, nun eine Ratte.

 

Jetzt können wir beruhigt ins Bett gehen und hoffen, sie war allein unterwegs.

Gute Nacht!

Bisheriges Fazit der zerstörten Sachen:

 

1 stabile Tupper-Butterdose

1 Silikon-Pfannenschaber

1 Rucksack 

4 Milchkartons (nicht auf diesem Bild)

und nachdem sie die nicht mehr aufspüren konnte, weil wir sie in Sicherheit gebracht haben, hat sie sich an den

3 Kartons  Orangensaft versucht.

Nun gibt's wohl vorerst keinen bunten Drink ;)

 Welch Glück hat sie unsere elektrischen Leitungen am Schiff verschont, denn der Schaden daran wäre weitaus größer und vor allem gefährlich für uns.

 

Am nächsten Tag erkunden wir die Stadt.

Wir besuchen das Seefahrtsmuseum der spanischen Marine Museo Naval, weiter geht es dann entlang an den Gebäuden der Universität, durch die Altstadt, am Teatro Romano vorbei, auf den Hügel Cerro de la Concepción ...

 

Am Tag danach ist dann die andere Seite der Stadt dran.

Unter anderem auch der Ort Los Mateos, nur ein paar Gehminuten von Cartagena entfernt, mit doch noch deutlichem  'Entwicklungspotential' ...

Dort befindet sich die Ruine eines alten Forts: Castillo de los Moros, von hier aus kann man die ganze Bucht Cartagenas sehen und mit ein wenig Glück auch die afrikanische Küste.

Leider wird diese Ruine momentan ganz sich selbst überlassen. Das führt dazu, dass hier Müll abgeladen wird und sich Obdachlose eine Bleibe suchen. Schade!

 

Impressionen aus Cartagena, eine imposante Stadt, sehr zu empfehlen!

Wir  wollen uns vor dem nahenden Weststurm um die Ecke hoch in Richtung Alicante bewegen.

Schöne und erlebnisreiche Tage haben wir hier verlebt.

Die Marina ist sehr entspannt, man bezahlt in der Nebensaison überschaubares Geld.

Gesondert werden Strom, Wasser und Internet abgerechnet. Die sanitären Einrichtungen sind in Ordnung.

Nur wehmütig verabschieden wir uns von dieser tollen, antiken Hafenstadt!

 

Beim Verlassen des Hafens sehen wir noch zu beiden Seiten die alten erbauten Anlagen der Vorfahren.

Irgendwie waren sie ja alle mal hier:

Iberer, Phönizier, Römer...

Es eröffnet sich uns wieder eine andere Art der Küste.

Wir motoren zu unserem nächsten Ziel, knapp  30 Seemeilen um die Ecke, dem Binnenmeer Mar Menor.

Hier hoffen wir, bei dem vorhergesagten starken Wind aus  wechselnden Richtungen ruhig zu liegen.

 

Das Miami von Spanien wird es auch genannt.

Und hier der Übergang von  natürlicher Landschaft ohne Gebäude, nur mit vereinzelten Stränden zu  einer mit Häusern und Hotels zugebauten Küste.

So geht es weiter entlang des La Manga,  des  Ärmels, einer etwa 20km langen Sandbank bis hin zur schmalen Einfahrt in den größten salzwasserhaltigen Binnensee Europas.

Die Einfahrt führt durch einen Kanal, alle 2 Stunden wird eine Klappbrücke geöffnet.

Wir liegen gut in der Zeit und drehen noch, wie ein paar andere wartende Segler, ein paar Runden vor dem Eingang zum Kanal.

Da der Kanal nur sehr schmal ist und die Angaben über die Tiefe schwanken, sprechen wir einen Einheimischen an, der ebenfalls auf die Öffnung der Klappbrücke wartet. Er signalisiert uns, dass wir ihm folgen können, denn es gibt einige Stellen, an denen es recht flach ist.

Nach der Einfahrt halten wir uns rechts, wir fahren ein Stück in Richtung der Salinen hoch, die von vielen Zugvögeln besucht werden, wohl auch von Flamingos.

 

 

Wir haben gelesen und auch auf Bildern gesehen, dass diese Salzwasser-Lagune ein begehrtes Urlaubsparadies, auch bei Einheimischen ist. Viele Nordeuropäer legen sich hier Ferien-Appartements zu, da man hier das ganze Jahr sonnenreiches Wetter genießen kann. Hier scheint die Sonne immerhin an mehr als 300 Tagen im Jahr.

Man sagt, die Skyline von La Manga muss sich vor Miami Beach nicht verstecken.

Viele Strände laden zum Relaxen ein. Restaurants, Cafés und Bars  wohin das Auge reicht. Bei dem Angebot an Wassersportmöglichkeiten ist sicher für jeden etwas dabei.

 

Was wir aber auch gelesen haben ist, dass durch den Tourismus, die starke Uferbebauung und vor allem die Überdüngung durch die Landwirtschaft die Wasserqualität hier deutlich nachgelassen hat. Schuld daran wohl auch deutsche Discounter, die hier günstig Gemüse wie Tomaten, Paprika etc. unter den weißen Planen anbauen lassen.

 

Der Anker rauscht in eine braune Brühe, hält aber sofort.

Einige Jetskis fahren ihre Runden und verbreiten etwas Unruhe.

Zum Abend hin wird es dann aber ruhig.

Zu ruhig! !!

Totale Stille,  nicht einmal Vogelgezwitscher hören wir.

Auf das sonst obligatorische Bad wird sicherheitshalber verzichtet.

 

Was wir nämlich nicht wussten, dass  durch die Überschwemmungen bei den schweren Unwettern im September, verursacht durch den Gota fría, den Kalten Tropfen, der Sauerstoffgehalt hier im See drastisch gesunken ist. Dadurch sind etliche Fische, Krebse und Garnelen zu Tode gekommen.

Die Auswirkungen sind nun erst so richtig am letzten Wochenende zu Tage getreten. Mittlerweile wurden mehr als 3000 Kilogramm toter Tiere an die Strände gespült.

Auch wir sehen noch einige kleine   Fische, aber auch Entenkadaver an uns vorbeitreiben.

Das ist alles schon sehr bedrückend.

Kein Wunder, dass wir keine Vögel hören. Wovon sollen die sich denn ernähren? Also auch keine Chance, Flamingos zu sehen.

 Wir hoffen, dass sich das Leben der Pflanzen- und Tierwelt in diesem Gewässer schon sehr bald wieder erholt!!!

Dazu muss natürlich seitens der Politik schnell gehandelt werden!

Dieses Foto wurde uns von unserem Lieblingshafenmeister Jesús

zur Verfügung gestellt.

Die Vorhersagen für morgen fallen auf unseren verschiedenen Wetterapps sehr unterschiedlich. aus. Starkwind einmal quer durch die Kompassrose, Regen und leichte Gewitter gab es heute schon.

Also peilen wir morgen früh die Lage, ob wir weiter gen Valencia fahren können.

Bei solchem Wetter kann  noch etwas am Blog gearbeitet werden.

Dann geht es kurz nach Mitternacht ins Bett.

Leider kein allzu langes Vergnügen. Gegen 1.30Uhr fängt es an zu stürmen. An  Schlaf ist mal wieder nicht zu denken.

Es scheint, dass unser Anker bei dem Wind im Schlamm den Halt verliert und anfängt zu rutschen. Beide sind wir bis 4.30Uhr recht unruhig. Wir   geben zur Sicherheit noch etwas Ankerkette, denn gegen Morgen sind laut Vorhersage die heftigsten Böen zu erwarten. Dann übernimmt der nautische Offizier vorsichtshalber die Ankerwache und schickt den kränkelnden Skipper ins Bett. Männerschnupfen.

Schließlich muss er einsatzbereit sein, sollten wir das Mar Menor am Morgen verlassen.

Gegen 9 Uhr lassen die Böen nach und nun kann sich auch der nautische Offizier für kurze Zeit ins Bett legen.

 

Kein anderer Segler verlässt heute  die Ankerbucht.

Auch wir bleiben.

Leider können oder wollen wir nicht in diesem Wasser baden.

So wird der Tag zum  Fertigstellen des Blogs, der weiteren Törnplanung und zum Lesen genutzt.

Aber morgen geht es wirklich weiter.

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Kommentare: 5
  • #1

    Anja (Dienstag, 15 Oktober 2019 22:07)

    Liebe Weltenbummler, was für ein spannender Bericht, von Städten und Ratten. Die Städtebeschreibungen machen Lust auf Besuche. Doch bei dem Rattenfang bin ich doch froh, dass ich nicht an Bord fahr (wo ich doch so gern in der Sitzecke genächtigt habe. Liebe Grüße (aktuell aus Paris) und gute Weiterreise Anja

  • #2

    Ch + M . Dolch (Dienstag, 22 Oktober 2019 18:43)

    Der Skipper in allen Elementen ein erfolgreicher Jäger �.
    Gratulation zum wiederholten mal an die Navigatorin , Bilder und Texte wieder sehr schön und sehr spannend ���. LG

  • #3

    Lieblings Nachbarin (Mittwoch, 23 Oktober 2019 17:31)

    Endlich geschafft Eure Blog zu lesen❤️Vermisse dich und TomTom❤️

  • #4

    Susanne Horn (Sonntag, 03 November 2019 18:31)

    Euer Blog gefällt mir sehr. Eine Ratte an Bord zu haben ist eine meiner Befürchtungen ! Habt ihr gut gemacht.

  • #5

    Angelika & Thomas (Dienstag, 05 November 2019 21:45)

    Ja, eine Ratte bringt schon eine Menge Aufregung an Bord.
    Vielen Dank für eure "Anteilnahme" �
    @ Susanne: schön von dir zu lesen!