Frankreich - Nordbretagne (Perros-Guirec bis Pointe du Raz)

Wieder einmal ist nach unserem Aufenthalt auf der Kanalinsel Sark ankern angesagt.

Diesmal an einer Mooringboje direkt am  Strand Trestraou des Ortes Perros-Guirec.

Uns führt es vorbei an Orten, welche wir vor 8 Jahren bereits mal mit dem Auto erkundet haben.

Hier im Bild der Leuchtturm von Ploumanac'h

seeseitig...

Und hier vor 8 Jahren von der Landseite aus,

allerdings ebenfalls bei diesigem Wetter.

Aber die rosa Granitfelsen sind gut zu erkennen.

Weiter geht es dann in den Hafen von Roscoff.

Wieder haben wir den Tidenkalender studiert,  in die Seekarten geschaut und überlegt, in welchem Hafen wir festmachen werden.

Mal gut, dass wir uns doch  nicht für diesen entschieden haben, sondern in die Marina Bloscon gefahren sind.

Wir hätten wohl ebenfalls wie der Segler am Visitorsteg in den Seilen gehangen.

Wir scheitern auf der  Suche  nach einem Restaurant.

In Roscoff haben scheinbar alle Restaurants montags geschlossen, also gibt es Resteessen an Bord.

 

Nach einem Tag Aufenthalt verabschieden wir uns von Roscoff und fahren weiter entlang der Île de Batz Richtung Aber Wrac'h.

Dort werden wir abwettern, denn es soll in den nächsten Tagen recht windig werden.

Auf dem Weg dorthin spüren wir zum ersten mal eine leichte Atlantikdünung und machen unsere erste Begegnung mit einigen Delphinen.

An der Mündung erblicken wir die beiden Leuchttürme der  Île Vierge.

Der größere der beiden ist mit 82,50m Europas höchster Leuchtturm und der höchste Steinleuchtturm der Welt.

 

 

Die Einfahrt in den Fluss ist recht eng und fast schärenähnlich durch die vielen vorgelagerten Felsen.

Der Hafenmeister gibt uns ein Zeichen und weist uns einen guten Platz längsseits innen des Besucherstegs zu.

Gleich am ersten Abend geht es dann in ein kleines, authentisches Restaurant nur ein paar Meter vom  Hafen entfernt, dem L'Ecailler des Abers.

Hier gab es für Thomas einen kleinen Vorgeschmack auf seine geliebte Grand Plateau des fruit de mer  und für Angelika die Spezialität des Hauses,

La Poêlée des Pêcheurs,  eine Fischerpfanne mit Safransoße, sehr lecker!

Bei einer kleinen Fahrradtour und unserem ersten wirklich warmen Tag lernen wir ein wenig die Gegend kennen.

Leider bleiben wir auch diesmal nicht von einer Fahrradpanne verschont.

Aber das Pannenfahrzeug hat wohl schon jemand gerufen ;)

Nein, natürlich können wir uns  selber helfen, wir haben unser kleines Reparaturwerkzeug seit neuestem immer dabei.

Es geht weiter.

Heute nach Süden durch den berüchtigten Chenal du Four, entlang der schönen Landspitze Saint Mathieu vorbei in Richtung Brest.

In der Hafenausfahrt kommt uns ein 2-Master entgegen, der erst kurz vor uns den Hafen verlassen hat und ruft uns zu "FOG"!!!

Wir schauen den Flusslauf entlang in Richtung Meer und sehen nur noch Nebel.

Mit 1 kn Gegenströmung nehmen wir unseren Kurs auf, setzen das Hauptsegel  und unterstützen mit Motor. Gemeinsam mit nur 2 anderen Seglern verlassen wir Aber Wrac'h und tauchen in den Nebel ein. Die Sichtweite beträgt keine 500m, aber mit Radar und AIS an Bord sind wir gut ausgestattet und können damit das Ziel aufnehmen.

Erst 3 Stunden später können wir den Motor ausmachen.

Mit 3 kn Strömung für uns und der Vorhersage, der Nebel löst sich bis 16 Uhr auf, freuen wir uns auf die seeseitige Ansicht des Leuchtturms Saint Mathieu.

Gegen 17 Uhr geht es dann, leider immer noch im Nebel, vorbei an Saint Mathieu.

Wie schade! 

Wir machen Halt in einer Ankerbucht Anse de Bertheaume, 8 sm westlich von Brest und hoffen darauf, dass wir am nächsten Tag bessere Sicht haben.

An Brest vorbei geht es heute weiter in die Mündung des Flusses Aulne.

Die Fahrt dorthin soll sehr schön sein.

Leider begleitet uns auch heute nur wieder diesiges Wetter.

Da verzieht sich der nautische Offizier erstmal unter Deck und versucht sich mal im Brotbacken an Bord.

Etwas dunkel geworden aber geschmacklich lecker, wird das noch frische Brot gleich zum 14-Uhr-Snack, gemeinsam mit unseren Mitbringseln (frischer Chevre direkt vom Erzeuger und ein halbes Dutzend Austern) aus Aber Wrac'h verhaftet.

Pünktlich zum Anlegen an einer Mooringboje nahe der Île de Terenez bei Landévennec lässt sich auch die Sonne blicken.

So lassen wir den sonnigen Abend bei einem guten Gläschen Rum, inspiriert durch unsere Lieblingsnachbarn Tanya und Michael, ausklingen.

Nach einer ruhigen Nacht fahren wir noch einmal ein kurzes Stück den Fluss hinauf, entlang des Schiffsfriedhofs für ausrangierte Kriegsschiffe der französischen Marine  bis zur Brücke Pont de Térénez.

Zurück geht es vorbei an der Abtei von Landévennec bis hinein in den Hafen von Brest.

Dort werden wir von einer jungen, charmanten Hafenmeisterin in Empfang genommen und gleich mit einem Geschenktütchen begrüßt.

 

 

Ganz dicht am Schiffsrumpf und im gesamten Hafenbecken tummeln sich diese Fische.

Aber angeln? Nein, davon riet uns die Hafenmeisterin dann doch ab.

Brest ist im  Weltkrieg durch  die Alliierten sehr stark zerstört worden und musste daher fast komplett wieder neu aufgebaut werden.

Wirklich schön sieht sie nicht aus.

Aber bei einem kleinen Stadtspaziergang sehen wir, dass es auch noch  erhaltene Gebäude  und schicke Ansichten der Stadt gibt.

Wir verlassen Brest und wollen in eine Ankerbucht, nur 13 sm weiter südlich.

Vorbei an schroffen Felsen gelangen wir in die schöne Bucht Anse de Pen-hir.

So ganz unbekannt ist diese Bucht nicht, es gesellen sich einige andere Segler dazu und ankern  ebenfalls über Nacht.

Mit unserem Dinghi geht's dann ab zu einem kleinen Abstecher an Land und diesmal wird es  ausreichend vor dem Hochwasser in Sicherheit gebracht, aber nicht ohne vorab eine unfreiwillige Taufe des nautischen Offiziers vorzunehmen. Also nochmal zurück zum Schiff und Klamotten wechseln.

Diese atlantische Dünung hat's aber auch in sich ;)

Ach, hier hätte man es auch länger aushalten können...

Aber der Wetterbericht sagt stärkeren Wind mit Böen um die 25kn, ca. 50km/h vorher. Nicht gerade einladend, um uns der für uns bis dahin größten Herausforderung zu stellen, nämlich  der Passage entlang des Pointe du Raz, dem Kaphorn Europas oder wie es auch in der Sprache der französischen Fischer an der Westspitze der Bretagne heißt:

"...Qui voit Sein, voit sa fin“, „Wer Sein sieht, der sieht sein Ende…“.

 

Und da kommt es in Sicht...

Wir haben ausgerechnet, dass zu unserer Ankunft die Strömung kippen müsste und uns mit durchzieht.

 

Und so ist es auch.

Es wird zwar immer kabbeliger, da kurz vor dem Cap Strömungen aus unterschiedlichsten Richtungen aufeinandertreffen, aber die Hauptströmung und der passende Nord-Wind bringen uns schnell durch die gefürchtete Passage.

 

Dies ist ein Screenshot  einer Webcam-Aufnahme am Pointe du Raz.

Und wieder sieht man, was das Studieren des Gezeitenkalenders ausmacht.

Bei passendem Wind und richtiger Strömung gelangt auch Ostsee-Seglern diese Passage.

Trotz allem sollte es nicht an Respekt fehlen!

Wir sind froh, dass wir ein so tolles Zeitfenster hatten und freuen uns nun auf neue Erlebnisse in der Südbretagne.

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Kommentare: 5
  • #1

    M.Dolch (Donnerstag, 04 Juli 2019 20:02)

    Sehr schöne Bilder in einer beeindruckenden Landschaft, ich habe schon immer gesagt das vom Meer aus das Land am schönsten ist. Käpt’n und seinen Navigator(in) wünsche ich weiterhin eine gute Fahrt und eine tolle Zeit !!!�✌️

  • #2

    Christine und Stefan von der Cosmos (Samstag, 06 Juli 2019 22:21)

    Wow! Pointe du Raz ist auch unser "Angstrevier" , wenn wir nach Süden segeln werden. Glückwunsch zur Umrundung! Euer Blog macht richtig Spaß! Wir schauen immer wieder, wo ihr seid. Wir sind nun in Bremerhaven erstmal fest.
    Viele Seglergrüße von Cosmos

  • #3

    Zechi (Samstag, 06 Juli 2019 22:25)

    Hallo Angelika,
    super geschrieben. Liest sich kurzweilig und nimmt einen mit auf Eurer Reise. Habt weiterhin viel Spaß und lasst und weiterhin so toll daran teilnehmen.
    LG aus Meine

  • #4

    Vati und Mutti (Sonntag, 07 Juli 2019 12:15)

    Hallo, dieser Abschnitt Eurer Reise, die Nord-Bretagne, war besonders spannend und interessant für uns Landratten, bzw. auch für Hein Seemann in spee Harry, anzusehen. Gut, daß Ihr alle seemännischen Hilfsmittel dabei habt, und wie man sieht, jegliche Seehürden meistert. Respekt vor den Leistungen des Skippers sowie seines Nautischen Offiziers! Als wenn sie nie etwas Anderes gemacht haben! Weiterhin eine Handbreit Wasser unterm Kiel! Gruß von V. u. M.

  • #5

    Angelika & Thomas (Montag, 08 Juli 2019 13:20)

    Vielen lieben Dank für eure netten Feedbacks!
    Das macht dann umso mehr Spaß weiterzumachen.
    Sonnige Grüße von der Halbinsel Quiberon.