Italien - Sizilien, Capo d'Orlando bis Palermo

Das Wetter heute bleibt durchwachsen. Aber gut, so kommt man beim Filetieren des Thunfisches nicht ins Schwitzen.
Bis zur Ansteuerung in den Hafen von Capo d'Orlando ist alles erledigt: gesäubert, filetiert und portionsweise vakuumiert.

55cm lang und 2,3 kg schwer war die Thunfischdame.

Wir melden uns über Funk im Hafen an und schon kommt uns ein Schlauchboot mit 2 Marineros entgegen.

Sie fahren vor uns und lotsen uns so zum Liegeplatz.

Dies ist wirklich ein schöner, neuer Hafen mit viel Platz und einer großzügigen Ausstattung.

Die Duschen und WC's sind sauber und komfortabel, es gibt gleich nebenan einen Waschsalon mit mehreren großen Waschmaschinen und Trocknern, ein gut sortierter kleiner Supermarkt ist direkt auf dem Hafengelände, Bootsausrüster und natürlich einige Restaurants.

Diese nehmen wir heute allerdings nicht in Anspruch, denn es wartet auf uns ja der Thunfisch zur Feier des Tages.

Außerdem regnet es weiterhin, da nutzen wir mal eine kleine Regenpause, um unseren Liegeplatz im Hafenbüro zu bezahlen. Wir fragen, ob es eventuelle Ermäßigungen für ADAC-Mitglieder oder Mitglieder der Kreuzer-Abteilung gibt. Dies wird aber verneint. Und wenigstens einen kleinen Rabatt für Geburtstagskinder?

Oh ja, heute früh ist einer Kollegin aufgefallen, dass mit der LA PRIMERA  ein Geburtstagskind in den Hafen kommt. Schwupps konnten wir einen Nachlass von 10% aushandeln 😉

Nach einem verregneten, aber gemütlichen Abend unter Deck ist dies die erste komplett ruhige Nacht seit einer gefühlten Ewigkeit, zumindest für den nautischen Offizier. Der Skipper ist da ja nicht so empfindlich.

Kein Schaukeln, kein Knarzen, kein Pitschern der Wellen ans Heck - einfach nur Ruhe. Traumhaft!!!

Der nächste Tag empfängt uns so wie der vergangene uns verabschiedet hat, mit Regen und einem starken Gewitter

Dies warten wir noch ab und dann machen wir uns gegen 12 Uhr auf den Weg gen Cefalù.

Es bleibt grau aber trocken.

Die letzten Meilen ziehen sich, denn der Wind nimmt zu und kommt von schräg vorn. Wir kreuzen an die Küste ran, vielleicht sind die Wellen dort nicht so hoch.

Dann endlich kommt Cefalù ins Bild.

Aber der Wind reißt nicht ab.

Bei Böen von 28 Knoten kommen wir im Hafen an.

Der Platz, der für uns zwischen zwei anderen Booten gedacht ist, ist so schmal, dass wir dankend ablehnen. Man gibt uns einen passenden gegenüber am Schwimmsteg zwischen zwei Seglern.

Glücklicherweise sind die Bootsnachbarn, gegen die uns der Wind drückt an Bord und uns beim schwierigen Anlegen behilflich. Es ist ein deutsches Ehepaar von der AnnaH, welches in Italien lebt.

Man kommt nach dem Anlegen ins Gespräch und so begraben wir unseren Plan im "El Faro" essen zu gehen, nachdem die Beiden uns erzählen, dass dies dann doch eher eine Touristenabzocke ist und geschmacklich nicht zu empfehlen.

Wir haben noch genügend Reste an Bord und verbringen den Abend an Deck.

Am nächsten Tag lassen wir uns mit dem Hafenshuttle, einem kleinen E-Mobil in die etwas entfernte Innenstadt von Cefalù bringen.

Ein kleiner Spaziergang, auf dem wir eigentlich nur die Altstadt besichtigen und etwas Proviant besorgen wollen, artet in eine Wanderung auf den Burgberg, dem Rocca di Cefalù aus.

 

 

Es ist Freitag und vermutlich ist es heute weniger überlaufen als an einem Samstag.

Die Besteigung ist kostenpflichtig und am Eingang kündigt man uns an, dass es kein einfacher Weg werden wird, der aber letzten Endes mit einer wunderschönen Aussicht belohnt wird. Hier besteht noch ein letztes Mal die Gelegenheit, das WC zu benutzen und noch etwas zu Trinken zu kaufen. 

Na dann.

Wir begeben uns am frühen Nachmittag bei jetzt schon schweißtreibenden Temperaturen hinauf auf den 270m hohen Kalksteinfelsen.

Der Anfang gestaltet sich noch recht angenehm. Einige Treppen führen serpentinenartig bis zu einem Eingangstor.

Hier erreichen wir den ersten Verteidigungsring.

An einer Wegkreuzung entscheiden wir uns rechts in Richtung des Castellos zu gehen.

Dieser Weg geht nun über in steile, kurvenreiche Naturpfade, bei denen einige Kondition und Trittsicherheit gefragt ist.

Fast um das ganze Gelände verlaufen noch Reste einer alten Wehrmauer. Schon gewaltig, was damals vor Jahrhunderten geschaffen wurde, um sich zu verteidigen.

Oben angelangt, hat man eine herrliche Aussicht auf Cefalù, den Hafen, das Meer...

 

Auf unserem Rückweg erkunden wir die Ruinen des Dianatempels, der wahrscheinlich aus dem 8.-9. Jahrhundert v. Chr. stammt und die Kirche St. Anna.

Hier scheint es eine kleine Siedlung gegeben zu haben. Wir finden noch Grundmauern von Häusern, Lagerräumen und einen alten Ofen.

 

 

Wir kehren zurück und schlendern noch ein wenig durch die schmalen Gassen der Altstadt, vorbei an der schönen Kathedrale Santissimo Salvatore und gönnen uns noch ein leckeres Eis von der gerade vor Kurzem eröffneten Gelateria Sapore di Sale.

 

 

Da bleibt aber auch noch genug Platz für ein leckeres Abendessen.

Es ist bereits abends als wir wieder zurück an Bord kommen.

Unweit vom Hafen ist ein Restaurant La Tavernetta.

Bis dahin tragen uns unsere müden Beine heute gerade noch 😉 und wir werden auch nicht enttäuscht.

 

 

Da der Wind noch immer ungünstig für unsere Weiterfahrt gen Westen steht, bleiben wir noch einen Tag länger in Cefalù und schnappen uns heute unsere E-Roller.

Es ist Straßenmarkt im Ort, vielleicht können wir dort noch etwas Obst und Gemüse kaufen. Vor allem Avocado für ein Thunfischtartar heute Abend wäre schön.

Leider sind bei unserem Eintreffen die Betreiber schon am Zusammenräumen.

So rollern wir weiter in Richtung Altstadt...

... entlang an Cafés und Restaurants zur Stadtstrandpromenade...

... und weiter entlang der Touristenmeile mit den Hotels vor dem kilometerlangen Strand.

Auf unserem Weg zurück kommen wir noch kurz vor dem Hafen an einem kleinen Laden mit regionalen Produkten vorbei.

Hier werden wir auch fündig und unserem Thunfisch-Avocado-Tartar steht nichts mehr im Wege.

Wind und Welle haben sich beruhigt und so können wir am nächsten Tag nach Palermo starten.

Hier haben wir einen Liegeplatz in der Marina Galizzi reserviert.

Noch wurde nicht auf unsere Terminverschiebung reagiert. Aber nach einem kurzen Telefonat bestätigt man uns über Navily die neuen Aufenthaltsdaten.

Unser Liegeplatz befindet sich am Ende eines Steges im "Einfahrtskanal" des Hafens.

Ganz sportlich wird ein kleineres, Nachbarboot beiseite verlegt, so dass wir mit unserem breiten Heck Platz finden.

Antonio, der sympathische Marinero empfängt uns und erklärt uns im charmanten Französisch alle wichtigen Dinge zum Hafen und der Stadt.

Unter anderem erzählt er uns von den 14 Brüdern Galizzi, die diesen Teil des Hafens betreiben.

Wie sagt er so schön, als er und der Skipper neben Don Giovanni, einem der Brüder vom Hafenbüro kommen... naja, es gab damals nichts,  kein TV, kein Strom, kein Telefon 😂

Wir nehmen an Deck Platz, öffnen das erste Mal unsere Sprayhoodfront, bringen den Sonnenschutz an, so geht wenigstens noch ein kleines Lüftchen und schauen dem Einlaufen der Sonntagsausflügler in ihren Booten zu. Dabei kommt die LA PRIMERA hier außen am Steg ordentlich ins Schaukeln.

Wir nutzen die nächsten Tage und erkunden Palermo, die fünftgrößte Stadt Italiens.

Bereits im 8. Jahrhundert v. Chr. gründeten Phönizier diese Stadt. Abwechselnd übernahmen Karthager, Römer, Vandalen, Spanier, Normannen... die Herrschaft. Unter den Arabern entwickelte sich Palermo im 9. Jahrhundert zur drittgrößten Stadt Europas hinter Byzanz und Córdoba.

Und scheinbar hinterließen die Normannen hier noch die Gene ihrer blauen Augen, denn es gibt viele Italiener mit blauen Augen. Sieht wirklich beeindruckend aus.

Bei Temperaturen über 30 Grad passt heute ein Ausflug in den botanischen Garten von Palermo. Hier im Schatten der vielen unterschiedlichen Baumarten und Pflanzen lässt es sich gut aushalten.

Wir finden hier einen der größten Feigenbäume in Europa. Zusammen mit einem im Giardino Garibaldi Park gehört er zu den ältesten und größten seiner Art. Es gibt eine schöne Geschichte im Internet, die aus Sicht des Feigenbaumes erzählt wird. Hier der externe link dazu, klickt doch mal drauf: Der älteste Feigenbaum Europas erzählt

Für den späten Nachmittag kündigen sich Marion und Hans-Gerd von der Turnaround an.

Wir treffen uns abends ein letztes Mal, denn danach trennen sich unsere Wege. Für uns geht es über Sardinien zurück nach Roda. Sie bleiben mit ihrem Schiff vorerst auf Sizilien liegen.

Also schlendern wir durch die belebten Gassen, kehren für ein kleines Getränk und ein Abendessen in verschiedenen Locations ein und kehren dann zu unseren Liegeplätzen zurück.

 

Für uns geht es am frühen Morgen rüber zur gegenüberliegenden Tankstelle.

Antonio, der Marinero ist mit dem Skipper freundlicherweise tagszuvor kurz zum Tankwart gefahren und hat ihn gebeten, etwas eher vor Ort zu sein, da wir heute frühstmöglich starten müssen, um unsere Überfahrt nach Sardinien anzutreten.

Dies ist die letzte Möglichkeit, wir müssen das Wetterfenster nutzen, bevor sich ab morgen für die nächsten Tage der Mistral angesagt hat.

Wir verlassen nun vollgetankt um

7.30 Uhr den Hafen.

Schön war's hier in Palermo!

Wir haben in dieser Saison viele Inseln und einige Orte kennengelernt, von denen wir noch nicht einmal ahnten, dass sie existieren.

Namen und Lage waren uns völlig unbekannt.

Durch Sendungen und Tipps von Bekannten sind wir darauf aufmerksam geworden und selbst während der Fahrt kamen noch einige neue dazu, so dass teilweise die Route etwas abgewandelt wurde.

Alles in allem haben wir sooo viel und vor allem so viel Schönes, Interessantes erlebt, dass es noch einige Zeit braucht, diese ganzen Eindrücke und Bilder zu verarbeiten. Dabei haben wir das italienische Volk als ein überaus gastfreundliches und zuvorkommendes erlebt, immer bemüht zu helfen. Egal, auch wenn es mit der Sprache nicht immer einfach war. Was uns auffiel: viele Menschen , gerade unter den Jugendlichen weit verbreitet, sprechen nur ihre Sprache, nicht einmal englisch wird gesprochen, geschweige denn verstanden. Das ist sehr schade. Aber vielleicht ändert sich daran in Zukunft ja etwas.

Und wir wurden zwischenzeitlich gefragt, wie sicher Italien, speziell Sizilien und Palermo ist.

Ganz ehrlich, wir haben uns hier in dunklen Gassen und auf abgelegenen Wegen weitaus sicherer gefühlt als in manch deutscher Stadt! Und wer es nicht glaubt, statistisch gehört Palermo mittlerweile zur sichersten Stadt Italiens!!!

 

Wir verabschieden uns nun vom Festland Italiens und seinen vorgelagerten Inseln und sagen: SALUTI A TUTTI.

Weiter geht es schon bald mit der Süd- und Westküste Sardiniens.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Die Dolch‘s (Dienstag, 04 Juli 2023 09:37)

    Hallo �wieder beeindruckende Bilder von euer Reise und eine wunderbare Beschreibung euer Erlebnisse , danke dafür und weiterhin eine schöne Zeit. LG Christiane und Michael ���