Ibiza und Formentera

Ibiza

Xarraca

Nur ein Katamaran liegt noch mit uns in der riesigen Bucht.

Unsere  erste  Nacht verläuft recht ruhig, nur am Morgen läuft Schwell herein, vermutlich von den,  in weiter Ferne auf dem Meer, vorbeifahrenden Fähren.

 

Wenn man morgends noch verträumt aus dem Niedergang hoch ins Cockpit kommt und man ins türkisfarbene Wasser schaut, warten  bereits die blauen Fische.

 

 

Nach unseren Recherchen sind es Brandbrassen, angeblich ein vorzüglicher Speisefisch, nur leider sieht man ihn auf keinen Märkten und auch niemanden danach angeln.

Dann gibt es ein kühnes Absteigen der Badeleiter ins erfrischende Nass und eine kleine, morgendliche Schwimm- und Schnorchelrunde.

Heute legen wir mal einen Faulenzertag mit Buch lesen und Blogschreiben ein.

 

Windböen bis über 30 Knoten  bescheren uns dann eine unruhige Nacht.

Während der Skipper Vertrauen hat und schläft, schaut der nautische Offizier ständig nach dem Anker.

Völlig unbegründet, da er uns hält und hält und hält. Echt Klasse!

Dennoch geht es nach dem Checken der Wetter-Apps am Vormittag weiter gen Westen.

 

Es ist grau aber warm und langsam versucht sich die Sonne durchzusetzen.

Wir fahren noch im Windschatten der Insel.

Dann merken wir, dass der Wind zunimmt. aber bis zu unserem Ziel ist es nicht mehr allzu weit.

 

Port des Torrent

Der Anker rauscht bei Port des Torrent auf einer Wassertiefe von 10 Metern in den  Sand.

Hier wird besonderer Wert auf den Erhalt des Posidonia-Grases gelegt.

Dafür gibt es eigens eine App, auf der man sieht, ob man sich auf richtigem Terrain befindet.

Gleich nach dem Ankerfall begibt sich der Skipper nackedei aber ausgerüstet mit Schnorchelausrüstung ins klare Wasser, um die Lage des Ankers zu prüfen.

Ach übrigens Anker...

Als  Erleichterung für den nautischen Offizier gab es eine Neuanschaffung, den Ankerwirbel Twist.

Das war eine super Empfehlung von Astrid und Jörg!

Damit wird der Anker automatisch in die richtige Position beim Aufholen gebracht und muss nicht immer mit einem Stock von oben mühselig und unter Fluchen gedreht werden.

Erfolgsrate bisher: 100 Prozent!

Die nächsten Tage wird es nicht ganz so sonnig und damit leider wahrscheinlich für Fotos entlang der Westküste Ibizas eher Grau-in-Grau.

 

Wir schreiben wegen des vorhergesagten stärkeren Windes sicherheitshalber einen der Häfen in Ibiza-Stadt, den gelobten Hafen Marina Botafoch, über die Navily-Seite an und bekommen leider eine Absage.

(Navily ist eine App, über welche man Hafenplätze anfragen und buchen kann und in der Ankerplätze  beschrieben und für die aktuelle Wetterlage bewertet werden.)

Wir versuchen es nochmal direkt per mail und kontaktieren auch die anderen Marinas der Stadt. Irgendwie muss es doch einen freien Platz geben. Wenn nicht jetzt, wann denn dann? Keine Rückmeldung.

 

Eine halbe Stunde segeln wir weiter entlang der Ostküste Formenteras, bis uns eine Mail von der Marina Ibiza erreicht.

Man entschuldigt sich für die späte Rückmeldung, aber sie haben noch freie Plätze und können uns gerne aufnehmen.

Also Rockfordkehre und ab geht es in den Hafen.

 

(Dies ist ein Foto einer anderen Seite, über die man Schiffe finden kann.

Sie nennt sich vesselfinder.

Kleiner Tipp, falls Marinetraffic uns mal wieder nicht findet ;))

Ibiza - Eivissa (katalanisch)

Gut vertäut liegen wir  sicher im Hafen, wieder inmitten von Motorbooten.

In der Hauptsaion würden wir hier fast 10x so viel bezahlen wie nun im Oktober.

Verrückte Ibizenker!

 

 

Der SW-Wind macht sich allmählich bemerkbar und nachts beginnt es dann auch kräftig zu regnen.

Er bringt wohl Saharasand mit, denn am nächsten Morgen ist unser Schiff völlig verdreckt.

Wir sind wohl die einzigen Eigner, die sich selbst an die Arbeit machen.

Auf allen anderen Booten sind  bereits die ersten "Putzkolonnen" eingetroffen und versuchen der Lage Herr zu werden.

Das ist nicht mit einem Mal Abspülen getan.

Danach geht es erstmal in die Stadt Ibiza.

 

Es ist schon ein kleines Stück von der Marina in die Stadt zu gehen.

Einmal um den kompletten Hafen geht es  herum, das sind schon allein 2km.

 

Mitten in der Stadt finden wir das L'apéro, in dem wir uns für ein leckeres Menú del día entscheiden.

Am nächsten Tag besuchen wir die Altstadt Dalt Vila, die besterhaltene, ummauerte Festung im Mittelmeer (Weltkulturerbe der UNESCO)...

Ruhig und fast menschenleer  ist es, einerseits für uns als Besucher "schön", aber auch sehr erschreckend und traurig !!!

Man bedenke, wir befinden uns in einer Hauptstadt!!!

Klar, außerhalb der Saison, aber in erster Linie hat da COVID-19  seine langen, gierigen Finger ausgestreckt.

Die Plätze sind leer, keine Tische und Stühle vor den Restaurants. An vielen Türen steht, dass Corona- bedingt geschlossen wurde und man nicht weiß, ob jemals wieder geöffnet wird...

Was solch ein Virus doch an Existenzen vernichtet!

Es schlägt überall auf der Welt Breschen  in den unterschiedlichsten Branchen.

 

 

Der Kapitän der Motoryacht KOMODO, welche stirnseitig bei uns am Steg liegt, gibt uns den Tipp, doch noch einen Tag wegen der unruhigen See im Hafen zu bleiben.

Daher nehmen wir uns einen Leihwagen und fahren mal über die Insel.

Über Santa Eularia, weiter gen Portinatx im Norden, Richtung San Antonio bis wir kurz vor Sonnenuntergang  auf den höchsten Berg Ibizas (475m) Sa Talaia fahren.

Für diese Insel braucht man wirklich ein geländegängiges Gefährt, ganz zur Freude des Skippers.

Spätestens auf dem Weg hoch zum Berg   wird uns das bewusst.

 

 

In der Stadt Ibiza haben wir dann noch eine baskische Tapas-.Bar entdeckt: KAIXO, wirklich lecker und die Portionen sooo groß. Sehr zu empfehlen!

Ganz ungewöhnlich für uns frühstücken wir dann auch mal in beiden Hafenrestaurants, im Cappuccino (gehoben und auch "abgehoben", versnobtes Personal, hatte für uns keine Wohlfühlatmosphäre, schöne Aussicht auf den Hafen und die Altstadt) ...

...und im Calma (freundliches Personal, ebenfalls toller Ausblick, wenn nicht sogar besser und Preis-/Leistung super).

Hier haben wir uns eindeutig wohler gefühlt.

Sitzen, frühstücken  und das Hafenkino genießen, das geht super in beiden Restaurants.

Die Segelyacht Nirvana Formentera, an Bord  der Eigner Isak Andic (Gründer des Bekleidungsunternehmens Mango) und seine Crew,  legt im Hafen an.

Bei der Größe des Schiffes schon eine kleine Herausforderung, es unbeschadet an die Kaimauer zu manövrieren.

Wir sind dem Rat des KOMODO-Kapitäns gefolgt und haben den hohen Wellengang abgewartet.

Nun können wir endlich Richtung Formentera starten.

Wir lassen Ibiza hinter uns und begeben uns gen Süden.

Formentera

Es Pujols

Unser Anker fällt vor der Küste Es Pujols auf 8m Sand.

 

Es Caló

Am nächsten Tag geht es unter Maschine nur 1,5 Stunden weiter in die nächste Bucht vor den idyllischen Ort Es Caló.

Mit dem Dinghi können wir im kleinen Fischerhafen festmachen.

 

Racó des Vell Marí

Einen Zwischenstopp legen wir am Racó des Vell Marí ein.

Hier erstrahlt das Blau des Meeres in seinen schönsten Farben.

 

Auf diesem Foto kann man sehr gut den Übergang von Posidonia-Wiesen zu Sandboden erkennen.

Wir ankern auf 10m Wassertiefe. Erstaunlich, dass man noch jedes Rippel und Gestein am Meeresgrund sieht.

 

Der Skipper dreht noch eine kleine Runde mit dem Dinghi. Als er wieder an Bord kommt erzählt er von mehreren Rettungswesten, welche an Land liegen, 9 an der Zahl. Unweit entfernt davon ein gestrandetes Boot.

Später lesen wir, dass die Guardia Civil erst kürzlich 9 Flüchtlinge in einem Boot vor Formentera aufgegriffen hat.

In dieser einen Nacht sind damals auf den Balearen insgesamt 198 Personen in Booten angekommen, die meisten aus Algerien. Die algerische Küste ist gerade einmal 120 Seemeilen von hier entfernt.

 

Es geht zum südlichsten Punkt unserer Reise, vorbei am Cap de Barbaria mit dem gleichnamigen Leuchtturm.

Hier soll es auch eine Höhle etwas neben dem Leuchtturm geben, von der man einen tollen Ausblick auf das Meer und damit spektakuläre Sonnenuntergänge hat.

Cala Saona

In der Bucht Cala Saona auf der Westseite Formenteras fällt unser Anker.

Ganz alleine sind wir nicht.

Auch die große Segelyacht Nirvana Formentera hat sich hierher verlegt und genießt die Freiheit des Ankerns.

Ses Illettes

Am nächsten Morgen machen wir uns rechtzeitig auf den Weg zum karibikwürdigen Strand Ses Illettes.

Wir wissen, wir werden nicht die einzigen sein, es ist Wochenende, da strömen viele Boote von Ibiza  rüber und verbringen hier ein paar schöne Stunden.

Ein karibischer Strand mit sauberem Wasser und einer chilligen Atmosphäre, wahrscheinlich noch um einiges authentischer und schöner, wenn die Restaurants geöffnet hätten.

Aber hier zu ankern ist nicht so toll.

Den Schwell der dicht an der Bucht vorbeirasenden Fähren spürt man hier gefühlt alle  10 Minuten.

 

Also geht es weiter Richtung Norden.

Wir treten unseren Rückweg an.

Erst nach einigen Meilen können wir den zarten Rückenwind  nutzen und segeln unter Schmetterling, diesmal mit Gennaker (!!!), in unsere letzte Ankerbucht Ibizas.

Ibiza

Punta d'es Forn

Wir lassen die private Insel Tagomago an Steuerbord und unser  Anker fällt in der Naturbucht Punta d'es Forn.

Ein sonniger Morgen verabschiedet uns und wir haben nun einen Törn von etwas über 125 Seemeilen (ca. 240km) vor uns.

Wenn wir morgends gegen 9 Uhr losfahren, sollten wir am nächsten Tag gen Nachmittag im Hafen Roda de Barà ankommen.

Die Wettervorhersagen versprachen mehr Wind und vor allem aus einer anderen Richtung. So zieht sich unsere Fahrt.

Gennaker raus, Gennaker rein, Motor an, Motor aus. Vor- und Hauptsegel raus, sie beginnen zu schlagen, also wieder einholen und Motor starten.

Erst zum nächsten Morgen hin wird der Wind beständiger und wir können fast bis in den Hafen  segeln.

Dabei begleiten  uns kurzzeitig Delphine.

Gegen Mittag treffen wir in Roda ein.

Geschafft!

Spanien

Roda de Barà

Am nächsten Tag gibt es ein Wiedersehen mit Astrid und Jörg von der JAMS...

 

... und natürlich Lotte.

 

Bevor es in den nächsten Tagen an das "Winterfestmachen" des Schiffes und damit die üblichen, jährlichen Wartungs- und Pflegearbeiten geht, wollen wir uns noch einmal stärken.

 

Die Restaurants im Ort mussten für den Betrieb in den Innenräumen schließen.

Aber eines am Hafen versucht sich mit Außerhaus-Verkauf über Wasser zu halten.

Das unterstützen wir und bestellen dort zum nächsten Mittag zur Abholung.

Es gibt leckere Paella und Salat mit Ziegenkäse.

 

Und nun kann die Arbeit beginnen...

 

Unser Fazit:

 

Es gab einige Bedenken, in der Corona-Zeit Deutschland zu verlassen und in Richtung Spanien zu fahren.

Um unabhängig von irgendwelchen Fliegern zu sein, haben wir uns für die Fahrt mit dem Auto entschieden.

Azyklisch und damit außerhalb der Saison zu fahren, war schon immer unser  Urlaubsplan und damit sind wir auch diesmal nicht schlecht gefahren.

Allerdings hat COVID-19 uns sicher  viele schöne Eindrücke von Land und Leuten vorenthalten.

 

Wir wünschen allen, gesund durch die nächsten Monate zu kommen und dass das nächste Jahr ein besseres wird als dieses.

Insbesondere drücken wir ganz fest denen die Daumen, deren Existenzen, bedingt durch COVID, auf der Kippe stehen. Mögen sie sich schnell erholen und es bald wieder bergauf gehen!!!

 

Liebe Grüße und einen angenehmen Jahresausklang wünschen

 

Thomas & Angelika.

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Vati und Mutti (Samstag, 07 November 2020 18:16)

    Hallo, Ihr Lieben, wieder hattet Ihr uns an Euren schönen Erlebnissen, diesmal auf Ibiza und Formentura, teilhaben lassen. Danke dafür Nautischer Offizier Angelika und natürlich Skipper Thomas. Zum Glück hat die wunderbare Natur auf den Inseln die Traurigkeit der fast leeren Straßen vergessen lassen. Also, die Natur der Balearen ist wirklich einzigartig, und Ihr habt das erleben dürfen. Viel Erfolg bei den noch anstehenden Arbeiten am Schiff. Bleibt weiter gesund und kommt dann auch wohlbehalten zurück. Herzlichst Vati und Mutti.

  • #2

    Immensen (Sonntag, 08 November 2020 13:28)

    Superschön diese Bilder, liebe Geli und wieder ein toller Bericht dazu!
    Als "normaler" Tourist meint man, zumindest einen Teil der Balearen gut zu kennen aber durch Euch "Seefahrer" sind da doch ganz andere Eindrücke vermittelt worden. DANKE DAFÜR!
    Und so ganz nebenbei lernen wir auch noch die Fachausdrücke für Segler�
    Seid lieb gegrüßt und bis bald!
    Chris+Wil

  • #3

    Petra und Matthias (Dienstag, 10 November 2020 17:56)

    Es sieht alles super aus auf den Bildern und die Texte sind klasse geschrieben . Freut uns das Ihr noch so eine schöne Zeit hattet. Wir freuen uns schon auf den nächsten Eintrag wenn auch leider erst 2021. Nun macht alles Winterfest und kommt gut nach Hause .